Vor der Einführung von Notationssoftware transkribierte ein Kopist die vollständige Partitur eines Komponisten von Hand in die einzelnen Stimmen, aus denen jeder Orchesterspieler vorliest – eine geschickte, wesentliche und vollständig manuelle Arbeit. Programme wie Finale (1988) und Sibelius (1993) ermöglichten es Komponisten, Stimmen direkt aus einer digitalen Partitur zu generieren, und das eigenständige Kopiergeschäft verschwand innerhalb eines Jahrzehnts weitgehend.
Der Musikkopist existiert nicht mehr als lebendiger Beruf. Hier, was ihn ausgelöscht hat, und welcher Beruf die Arbeit übernommen hat.
Hof- und Kirchenpatronat
Renaissance- und Barockmusiker arbeiteten fast ausschließlich für einen einzigen Auftraggeber – einen Fürstenhof, eine Kathedrale, einen wohlhabenden Haushalt –, komponierten und traten auf Abruf auf, trugen oft Livree wie andere Hausangestellte und besaßen selten die Rechte an ihrer eigenen Musik. Bach, Händel und Vivaldi bauten alle auf diese Weise Karrieren auf und wechselten zwischen kirchlichen, höfischen und bürgerlichen Ämtern, während städtische Zünfte regelten, wer für Auftritte in einer bestimmten Stadt überhaupt bezahlt werden durfte.
Was damals sonst passierte
Johann Sebastian Bach wird zum Thomaskantor von Leipzig ernannt und ist gegenüber der Kirche und dem Stadtrat dafür verantwortlich, fast jede Woche eine neue Kantate zu komponieren – die typische Regelung dieser Zeit, in der der Lebensunterhalt eines Musikers vollständig von einem institutionellen Arbeitgeber abhing.
Joseph Haydn tritt als angestellter Vizekapellmeister an den Esterházy-Fürstenhof und dient der Familie schließlich etwa dreißig Jahre lang – der Höhepunkt des Hofpatenschaftsmodells, bei dem ein Komponist fast ausschließlich für einen Haushalt schrieb und auftrat.
Nachdem Beethoven eine Anstellung in Kassel angeboten wird, unterzeichnen drei Wiener Adlige einen Vertrag, der ihm eine lebenslange Rente zusichert, unter der einzigen Bedingung, dass er in Wien bleibt und komponiert – und dass er als unabhängiger Künstler und nicht als Gerichtsangestellter arbeiten darf.
Thomas Edison nimmt „Mary Had a Little Lamb“ auf einem Alufolienzylinder auf und erschafft damit das erste Gerät, das Töne einfangen und wiedergeben kann – die Erfindung, die es schließlich ermöglicht, eine einzelne Aufführung an Millionen zu verkaufen, die sie nie live gesehen haben.
Wo diese Arbeit heute lebt
Verbringt Jahre damit, ein Instrument oder eine Stimme zu beherrschen, und verdient dann seinen Lebensunterhalt mit Auftritten, Aufnahmen und Unterricht in einem Markt, in dem Streaming zwar gewachsen ist, aber wenige…
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