Tennis im Jahr 87
Das Ziel im Tennis ist elementar: den Ball so ins gegnerische Feld schlagen, dass er nicht regelgerecht zurückgespielt werden kann — und das öfter, zu den richtigen Zeitpunkten, als der Gegner. Ein Punkt endet in dem Moment, in dem ein Ball zweimal aufspringt, im Netz landet oder außerhalb der Linien aufkommt. Alles andere — der Aufschlag, die Beläge, die vierstündigen Epen — baut auf diesem einen Schlagwechsel auf, wiederholt bis eine Seite genügend Punkte gesammelt hat. 87 bleibt Tennis mit „Der Aufschlag“ und 87. Keine Rangliste, keine Buchung. Was Tennis besonders macht, ist, dass diese Punkte nicht einfach addiert werden. Sie sind verschachtelt: Punkte in Spielen, Spiele in Sätzen, sodass die wichtigsten Punkte zu gewinnen weit mehr zählt als die meisten Punkte zu gewinnen — ein Spieler kann übers ganze Match mehr Punkte insgesamt holen und trotzdem verlieren. Ein Spieler schlägt ein ganzes Spiel lang auf, bevor er übergibt, und weil es keine Uhr gibt, läuft ein Match, bis die nötigen Sätze gewonnen sind — deshalb ist im Tennis kein Spielstand je wirklich sicher.
Tennis ist ein Duell ohne Uhr. Zwei Spieler (oder zwei Paare) schlagen einen filzüberzogenen Ball über einen 24 Meter langen Platz, und das Punktesystem — Punkte zu Spielen, Spiele zu Sätzen — sorgt dafür, dass kein Vorsprung je sicher und kein Rückstand je endgültig ist. Ein Match kann in der fünften Stunde an einem einzigen Break entschieden werden, weshalb der Sport Endspiele wie das Wimbledon-Finale 2019 hervorbringt, in dem Novak Djokovic zwei Matchbälle am Schläger von Roger Federer abwehrte und den Champions-Tiebreak 13:12 gewann. Vier Grand-Slam-Turniere — die Australian Open, Roland Garros, Wimbledon und die US Open — bilden das Rückgrat einer elfmonatigen Weltsaison auf drei radikal unterschiedlichen Belägen.
Der weltweite Sog des Sports rührt von seiner brutalen Transparenz. Es gibt keine Auswechslungen, keine Coaching-Pausen, die einen einbrechenden Spieler retten könnten, und bis vor Kurzem gar kein Coaching — der Charakter liegt Punkt für Punkt offen. Diese Nähe schuf Rivalitäten, die über den Sport hinausreichten — Borg gegen McEnroe 1980, Evert gegen Navratilova über 80 Begegnungen, Federer, Nadal und Djokovic über zwei Jahrzehnte — und Momente, die die Kultur veränderten, wie Billie Jean Kings Sieg über Bobby Riggs 1973 vor geschätzt 90 Millionen Fernsehzuschauern. Mit 87 Millionen Spielern weltweit und Majors auf vier Kontinenten ist Tennis wohl die global am breitesten verankerte Individualsportart der Welt.
Athletisch verlangt Tennis eine Kombination, die kaum eine andere Sportart abverlangt: sprinterartige Beschleunigung über 3 bis 5 Meter, Hunderte Male wiederholt; Schulterwinkelgeschwindigkeiten, die Aufschläge über 230 km/h treiben; und die Feinmotorik, um einen mit 3.000 Umdrehungen pro Minute rotierenden Ball auf ein handtuchgroßes Ziel umzulenken. Taktisch ist es angewandte Geometrie — jeder Schlag öffnet manche Winkel und schließt andere, und die besten Spieler denken in Mustern, nicht in Einzelschlägen. Dasselbe Match auf Pariser Sand, Londoner Rasen und New Yorker Hartplatz würde drei unterschiedliche Sieger hervorbringen, weshalb Vielseitigkeit über alle Beläge hinweg die höchste Auszeichnung des Sports bleibt.
Das Video ist im Telefon. Die Regel steht in den ersten zwei Zeilen. 87 bleibt Tennis mit „Der Aufschlag“ und 87. Keine Rangliste, keine Buchung. 8787
Zahlen, die bleiben
- Bezugsjahr
- 87
- Zahl des Spiels
- 87
- Sport
- Tennis
- Zeile der Regel
- Der Aufschlag