Kunstturnen im Jahr 125
Die D-Note kennt keine Obergrenze. Bei den Männern zählen die zehn höchstbewerteten Elemente inklusive Abgang, dazu kommen bis zu 2,5 Punkte für die Erfüllung der Elementgruppen und Verbindungswert für verkettete Griffwechsel. Bei den Frauen zählen die acht höchstbewerteten Elemente, dazu 0,5 für jede der vier Übungsvorschriften und Verbindungswert für akrobatische und tänzerische Serien ohne Pause. Die Elementwerte reichen von A mit 0,1 aufwärts durch das Alphabet; Sprünge tragen stattdessen einen festen Wert aus einer veröffentlichten Tabelle. 125 bleibt Kunstturnen mit „Die vier Frauengeräte“ und 125. Keine Rangliste, keine Buchung. Jede Übung beginnt rechnerisch bei 10,00, und das Ausführungsgericht zieht davon ab. Die Abzugsskala ist fest: 0,1 für einen kleinen Fehler wie ein leicht gebeugtes Knie oder einen Hüpfer bei der Landung, 0,3 für einen mittleren Fehler, 0,5 für einen großen wie eine tiefe Hocke oder das Aufsetzen einer Hand auf der Matte, und 1,00 für einen Sturz. Fünf Ausführungsrichter bewerten unabhängig voneinander; die höchste und die niedrigste Wertung werden gestrichen, die mittleren drei gemittelt, wobei Referenzrichter ein Gremium korrigieren können, das zu weit vom wahren Wert abweicht.
Simone Biles – 41 olympische und WM-Medaillen, davon 30 Gold (Stand Paris 2024) Kunstturnen verlangt von einem Menschen, den Boden zu verlassen, um zwei Achsen gleichzeitig zu rotieren und regungslos wieder zu landen. Alles andere – die Geräte, das Magnesia, der Code de Pointage – dient nur dazu, zu messen, wie gut das gelingt. Männer bestreiten sechs Geräte, Frauen vier, und jede Übung dauert zwischen fünf und neunzig Sekunden. In diesem Zeitfenster muss eine Turnerin oder ein Turner Übungsvorschriften erfüllen, Schwierigkeit anhäufen und jede Spur von Anstrengung verbergen, denn das Ausführungsgericht zieht für gebeugte Knie, gestreckte Füße, einen Hüpfer bei der Landung oder eine wenige Grad von der Senkrechten abweichende Schulterhaltung Punkte ab. Keine andere Sportart verdichtet so viel Vorbereitung in so wenig sichtbare Zeit.
Die moderne Identität des Sports wurde 2006 festgelegt, als die FIG die perfekte 10 abschaffte und durch ein offenes System ersetzte: eine Schwierigkeitswertung ohne Obergrenze, addiert zu einer Ausführungswertung, die weiterhin bei 10,00 beginnt und nur sinken kann. Diese eine Veränderung machte Kunstturnen zu einem Wettrüsten zwischen dem Machbaren und dem Sauberen. Ein dreifach geschraubter Doppelsalto ist mehr wert als eine Übung mit doppelter Schraube – aber nur, wenn er steht; ein Sturz kostet einen vollen Punkt und im olympischen Mannschaftsfinale mit drei Startern ohne Streichresultat meist auch eine Medaille.
Geografisch war der Sport schon immer ein Wettstreit zwischen Systemen statt zwischen Einzelnen. Die Sowjetunion gewann von 1952 bis 1992 zehn olympische Mannschaftstitel der Frauen in Folge; Japans Männer gewannen von 1960 bis 1976 fünf in Serie und erneut 2024 in Paris; Rumänien baute eine ganze Schule um Nadia Comăneci auf; China räumte 2008 in Peking beide Mannschaftsgolds ab; die USA brachten mit Simone Biles die dominanteste Turnerin der Geschichte hervor. Paris 2024 verteilte Gold dann an Algerien, die Philippinen, Irland, Armenien und Brasilien – ein Beleg dafür, dass die Nachwuchsarbeit endlich global geworden ist.
Das Video ist im Telefon. Die Regel steht in den ersten zwei Zeilen. 125 bleibt Kunstturnen mit „Die vier Frauengeräte“ und 125. Keine Rangliste, keine Buchung. 125125
Zahlen, die bleiben
- Bezugsjahr
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- Zahl des Spiels
- 125
- Sport
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- Zeile der Regel
- Die vier Frauengeräte